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„Machst Du auch Messies?“ Gute Frage!

„Machst Du auch Messies?“ Gute Frage!

Immer wieder werde ich gefragt, ob ich auch Messies zu meinen Kunden zähle. Das scheint ein sehr interessantes Thema zu sein, egal ob beim Netzwerken oder im privaten Kreis, mindestens jeder zweite, den ich neu kennen lerne und dem ich von meinem Arbeitsleben erzähle, fragt mich danach.

Und jedes Mal antworte ich, dass ich keine Psychologin bin und diese Hilfe daher nicht leisten kann. Was ich kann ist, Messies die bereits in psychologischer Behandlung sind, tatkräftig unterstützen. Der Therapeut kommt ja leider nicht zu den Menschen nach Hause und packt mit an. Bisher hatte ich noch keine Anfrage in der Art, aber ich wusste von Anfang an, irgendwann würde es soweit sein …

Vor ein paar Tagen war es dann soweit. Ich bekam ich eine Nachricht von einer Netzwerk-Kollegin aus Bielefeld, dass ich mich doch bitte bei einer Kundin in Düsseldorf melden soll. Schon am Telefon hatte ich ein mulmiges Gefühl. Die Kundin bat mich, bevor ich zusage ihr zu helfen, zu ihr nach Hause zu kommen und mir das Problem anzusehen. Sie sagte auch, sie könne nicht mehr putzen, weil soviel Zeug rumliegt.

Volksgarten2

Vor ein paar Tagen habe ich sie besucht. Kaum ging die Wohnungstür auf wusste ich, warum sie mich gebeten hatte, mir ihr Problem vor Beginn unserer Arbeit ansehen. Nicht, dass es in der Wohnung streng gerochen hätte, auch Pizzakartons von vor 3 Monaten waren nicht unter dem Sofa auszumachen. Aber es war dreckig. Und wie mir die Kundin sagte, ist der eine Staubsauger kaputt, mit dem anderen kommt sie nicht klar weil er einfach nicht saugt und das dies nun seit über einem Jahr der Zustand ist. Ein Jahr nicht gesaugt! Könnt Ihr Euch das vorstellen? Nein, lasst es lieber.

Im der ganzen Wohnung lagen Berge von Tüten mit irgendwas drin. Was, wusste auch die Kundin nicht so genau. Viele leere Flaschen, Zeitungen und Papierkram überall. Vertrockneter Glücksklee auf der Fensterbank, 3 Fernseher, von denen nur einer funktioniert. Der Boden durchaus noch zu sehen, also nicht so hoch gestapelt, dass man nicht mehr in die Zimmer kommt. Und wie man es aus einschlägigen Fernsehreportagen kennt.

Volksgarten4Als die Kundin sagte, dass sie den Zustand wirklich ändern will und mich dann fragte, ob ich ihr helfen kann, habe ich trotz aller Bedenken „Ja“ gesagt. Aber ich habe es zur Bedingung gemacht, dass bis zu unserem Termin in 3 Wochen das Leergut verschwunden und das Altpapier in den Container gewandert ist.  Außerdem muss sie mit einer großen Mülltüte durch die Wohnung gehen und alle benutzen Taschentücher und diversen anderen Kleinmüll entsorgt haben. Trotz ihrer Arbeit müsste dies zu schaffen sein. Ich werde sie am Tag vorher anrufen und nachfragen, ob sie ihre Aufgaben erledigt hat. Nur dann werde ich am nächsten Tag hinfahren. Mit Gummihandschuhen, wie ich ihr angekündigt habe.

Das klingt jetzt vielleicht ein wenig hart und ich muss ehrlich sagen, ich weiß nicht, ob das so richtig ist. Allerdings behagt mir die Vorstellung, dass ich nicht versuche ihr zu helfen und sie dann weiterhin in ihrem Dreck sitzt, auch nicht. Es ist ein Versuch, aus dem ich sicherlich viel lernen werde. Wenn sie nicht mitarbeitet, werde ich ihr eindringlich dazu raten, sich andere Hilfe zu suchen.

Nach dem Termin brauchte ich erst einmal frische Luft und habe auf dem Weg nach Hause am Düsseldorfer Volksgarten eine Mittagspause eingelegt. Ich bin spazieren gegangen, habe auf einer Bank gesessen und die Schwäne beobachtet, die frische Luft genossen, in den strahlend blauen Himmel geschaut und bin mit den Füßen durch die toll verfärbten Blätter gestapft. Ach, wie ist das Leben schön! 🙂

Herzliche Grüße,
Ursula Kittner
Die Ordnungs-Expertin

Volksgarten1

 

 

3 Kommentare

  • Guten Abend Frau Kittner,
    danke für Ihre Bloognachricht. Das war bestimmt ein klares und deutliches Zeichen Ihrer Kundin für Sie. Und das Sie das Thema emotional stark tangiert hat, war deutlich zu lesen.
    Gerne können wir uns einmal fernmündlich über unsere Arbeit austauschen. Darüber würde ich mich sehr freuen.
    Einen schönen Abend wünscht Ihnen
    Ina Fürstenau
  • Liebe Frau Fürstenau,

    vielen Dank für Ihre Nachricht.
    Nein, es gab keinen Folgetermin. Die Kundin hat eine Woche vorher auf meinem Anrufbeantworter eine Nachricht hinterlassen, dass sie Vertretung für einen kranken Kollegen machen muss und sich wieder meldet ...

    Ja, die Möglichkeit, sich in die Schuhe des anderen zu stellen gibt es ...

    Mein Beitrag ist nach dem Besuch bei der Kundin und dem ersten Erlebnis dieser Art entstanden und deswegen sehr emotional. Vielleicht kann durch Betrachtung aus einer anderen Richtung der Eindruck entstehen, ich würde dieses Thema nicht ernst nehmen. Dies ist jedoch keineswegs so, das möchte ich betonen.

    Vielmehr habe ich die Bestätigung bekommen, dass ich bei Menschen mit Messie-Syndrom Hilfe in der Art nicht leisten kann, wie sie nötig wäre. Wie gesagt, da kann ich noch so sehr Hilfe leisten wollen, aber da ich keine Psychologin bin, kann ich es nicht.

    Nun würde mich interessieren: Wie stehen Sie dazu?

    Herzliche Grüße,
    Ursula Kittner
  • Hallo Frau Kittner,
    es ist immer eine gute Überlegung, eine Frage an sich selbst, ob man mit Menschen mit Messie-Syndrom arbeitet. Das erfordert viel Finderspitzengefühl, Wissen um das Messie-Syndrom und das Wissen der eigenen Grenzen. Respekt vor der Kundin, dass sie Sie in ihre Wohnung gelassen hat. Zudem interssiert es mich, ob ein Folgetermin stattgefunden hat??

    Und es gibt die Möglichkeit, sich in die Schuhe des anderen zu stellen, nämlich die des Kunden, und dann Ihren Artikel nochmals zu lesen....

    Ich freue mich über einen konstruktiven Austausch mit Ihnen.
    Mit freundlichem Gruß
    Ina Fürstenau
    Haushaltscoach

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