Hallo liebe Ordnungsliebende,

kennst Du auch diese kleinen Tierchen, die nachts im Kleiderschrank sitzen und die Klamotten enger nĂ€hen? Na, dann bin ich ja schon mal beruhigt, dass nicht nur mich dieses Schicksal ereilt hat! 😉

Als ich den diesjĂ€hrigen Aufruf zur Blogparade von der wunderbaren Gela Löhr von Lemondays – dem Onlinemagazin fĂŒr Frauen in den Wechseljahren las, hab ich sofort gedacht, dass ich mitmachen möchte. Mein zweiter Gedanke war, wie passt das Thema

“Bye, bye Traumfigur? Wie geht das mit dem WohnfĂŒhlgewicht ab 40? Oder 50?”

zu mir als Ordnungs-Expertin? Ich musste nicht lange darĂŒber nachdenken, denn genau diese Frage beschĂ€ftigt viele meiner Kundinnen. Und so werfe ich jetzt einen “ordentlichen” Blick auf das Thema 🙂

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Wenn eine neue Kundin mich anruft, geht es oft um Papierkram oder andere neutrale Bereiche. Wenn wir dann miteinander arbeiten kommt die emotionale Frage: “Machst Du auch KleiderschrĂ€nke?” Oh ja, sehr gerne sogar. Denn dieses Thema ist mit eins der emotionalsten, was den persönlichen Bereich betrifft.

Die aufrĂ€umende Japanerin, von der Du mit Sicherheit schon gehört hast, hat ein ganz klares Konzept und rĂ€umt nach 5 Kategorien auf: Kleidung – BĂŒcher – Papierkram – Kleinkram – ErinnerungstĂŒcke. Sie sagt dazu, dass die emotionalste Kategorie am Schluss dran ist. HĂ€? Ich will ja jetzt nicht unhöflich sein, aber ich vermute, diese kleine, schmale Person hat auch in ihren Schwangerschaften kaum mehr gewogen als vorher oder nachher.

Emotionale Kleidung

Aus Erfahrung weiß ich, dass gerade das Thema Kleidung hoch emotional ist, warum ich mit meinen Kunden diesen Bereich selten als ersten aufrĂ€ume, ausmiste und sortiere. Meine Kundinnen sind fast alle ab Mitte 40 aufwĂ€rts und in den KleiderschrĂ€nken finden sich jede Menge schöne StĂŒcke der Marke “da will ich wieder reinpassen”. WĂ€hrend wir miteinander arbeiten, darf ich erleben, wie viele VerĂ€nderungen die “Jahre des Wechsels” mit sich bringen. Schöne und wundervolle, aufregende und fĂŒhlende, achtsame und sich selbst wichtig nehmende, sinnbringende und bedeutsame VerĂ€nderungen. Ich liebe diese GesprĂ€che ĂŒber KleidungsstĂŒcke, die zu einem besonderen Anlass getragen wurden und Geschichten ĂŒber die Emotionen, die damit verbunden sind.

Wirklich nur einmal war ich bei einer Kundin, die 30 Jahre spĂ€ter noch in ihr KostĂŒm vom Abschlussball passte. Ich “zwinge” meine Kundin gerne, KleidungsstĂŒcke anzuziehen, wenn sie mir ein pauschales “das behalte ich auf jeden Fall, das passt noch” vor die FĂŒĂŸe werfen. Nee, so einfach geht das nicht, wenn die Ordnungstante im Haus ist. Ich befehle dann gerne ein fröhliches “Anziehen!”, was manchmal erst nach der zweiten Aufforderung FrĂŒchte trĂ€gt. Besagte Kundin zog also ihr fliederfarbenes KostĂŒm an und stellte sich im Flur vor den Spiegel – und lachte und lachte und lachte! Diese Schulterpolster aus den 80ern waren einfach großartig! Sie hat dieses KostĂŒm immer im Ganzen gesehen und ich habe ihr dann den Vorschlag gemacht, den wadenlangen Rock auf aktuelle KnielĂ€nge zu kĂŒrzen und den Blazer auszusortieren. Und nun kommt der Rock zu neuen Ehren.

Das Auf und Ab …

Ich habe selbst so einiges an Gewichts-Auf-und-Ab hinter mir. Und deswegen weiß ich aus Erfahrung, selbst wenn ich einige Kilo abgenommen hatte und wieder in die Sachen hineinpasste, die jahrelang ein einsames Dasein im hintersten Eck des Kleiderschranks fristeten, wollten sie trotzdem nicht mehr so richtig sitzen. Denn es lĂ€sst sich nicht leugnen, die Figur verĂ€ndert sich.

Genauso wie sich das Gesicht verĂ€ndert, weil es im Laufe der Jahrzehnte mehr Lachfalten bekommen hat. Oder die Schuhe nicht mehr so hoch, nicht mehr so spitz und auch nicht mehr so schmal sein dĂŒrfen, weil die FĂŒĂŸe einfach breiter geworden sind. Oder die Hose zu lang ist, weil wir doch im Laufe unseres Lebens ein paar Zentimeter an GrĂ¶ĂŸe lassen. So ist es auch mit dem Schnitt unserer Hosen, Blusen und Röcke. Abgesehen davon, dass Du vielleicht heutzutage nicht mehr wadenlang tragen möchtest und 3/4-Ärmel vielleicht doch blöd an Dir aussehen oder Du Deine Hosen nicht mehr unter dem Bauchnabel, sondern lieber in der Taille sitzen hast, das ist der Lauf der Zeit und genauso darfst Du es fĂŒr Dich annehmen.

Es wird Zeit, “Bye Bye” zu sagen.

Mach einen großen Stapel mit all den KleidungsstĂŒcken, die Dir mal lieb und teuer waren. Die Du so gerne getragen hast und von denen Du schon seit einigen Jahren denkst, dass Du nochmal hineinpassen möchtest. Doch nun ist es Zeit, Abschied zu nehmen. Willst Du Dich wirklich nochmal in die kleinere GrĂ¶ĂŸe zwĂ€ngen? Ist es nicht viel entspannter, Abschied zu nehmen von der vermeintlichen Traumfigur? Das Leben Ă€ndert sich und der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung Ă€ndern kann. Denke fĂŒr Dich eine neue Richtung und freue Dich darĂŒber, dass es jetzt endlich so sein darf, dass Du Dich von dem Gedanken verabschieden darfst.

Vielleicht hilft es Dir, wenn Du Dir die Frage stellst, wann Du einzelne KleidungsstĂŒcke zuletzt getragen hast. Und mal ganz ehrlich, wieviel Kino mĂŒsstest Du abnehmen um dort wieder hineinzupassen? Vielleicht ist jetzt auch einfach nicht mehr die Zeit fĂŒr GrĂ¶ĂŸe 34? Oder 42? Ich bin mir sicher, Dein Körper denkt sich etwas dabei, genau wie es meiner tut. Such Dir zwei oder 3 LieblingsstĂŒcke aus, mache Fotos davon oder hebe sie einfach auf. Packe sie in eine durchsichtige Kiste und lagere sie ganz oben oder unten im Kleiderschrank oder im Keller/auf dem Dachboden. Das ist erlaubt!

Darf ich Dir etwas mit auf den Weg geben? Übe Dich in Gelassenheit, denn das ist eins der wichtigsten Mitbringsel der Lebensmitte, so geht es mir jedenfalls, ich gehe heute mit 50 Jahren viel gelassener durchs Leben, als noch vor 10 Jahren. Ich liebe es, dass ich nichts mehr muss aber alles darf, was mir gefĂ€llt. Das gilt fĂŒr Kleidung, wie fĂŒr andere Dinge im Leben. Und ich finde es toll! DafĂŒr dĂŒrfen gerne ein paar LieblingsstĂŒcke von “damals” mein Leben verlassen, ich gebe sie ins Sozialkaufhaus, damit sich noch jemand anders drĂŒber freuen kann. Ist ja bald schon wieder Karneval.

Herzliche GrĂŒĂŸe,
Ursula
Die Ordnungs-Expertin

Weitere Artikel der Blogparade zu diesem Thema kannst Du hier lesen:

Heike Specht: WohlfĂŒhlgewicht? Ist Gewicht, was sich bei mir wohlfĂŒhlt!

Sunita Ehlers: Bye, Bye Traumfigur

Anja Rödel: Traumfigur? WohlfĂŒhlgewicht? Wenn die Brezel mit dem Hosenknopf …

Alle noch bis Ende Oktober folgenden Artikel findest Du hier.