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Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen! Schon unsere Oma hat uns doch früher mit diesem Spruch belehrt, wir kennen das also von klein auf! Leichter gesagt, als getan – etwa jeder Fünfte leidet Experten zufolge unter Prokrastination (“Vertagung”, Aufschieben). Was häufig als Faulheit abgetan wird, kann sich zur regelrechten Krankheit entwickeln: die chronische Prokrastination zeichnet sich durch kontraproduktives, überflüssiges und verzögerndes Verhalten aus.

Die Herkunft dieses Sprichwortes ist nicht geklärt. Vermutlich stammt dieses Sprichwort aus Luthers Bibelübersetzung, die im Jahr 1534 in Thüringen fertig gestellt wurde.

Das Wort Prokrastination kommt aus dem lateinischen und ist eine Zusammensetzung aus pro „für“ und cras „morgen“), und bezeichnet extremes Aufschieben.

Es handelt sich dabei um eine Arbeitsstörung, die durch ein nicht nötiges Vertagen des Arbeitsbeginns oder auch durch sehr häufiges Unterbrechen des Arbeitens gekennzeichnet ist, sodass ein Fertigstellen der Aufgaben gar nicht oder nur unter enormem Druck zustande kommt. Dies geht fast immer mit einem beträchtlichen Leidensdruck einher. Pathologisches Aufschieben muss allerdings unterschieden werden vom alltäglichen Trödeln, zum Beispiel vom Aufschieben von Aufgaben, die starken Widerwillen hervorrufen.

Viele Menschen kennen das Vertagen von Aufgaben aufgrund anderer, nötiger Prioritätensetzung sowie einem erfolgreichen Arbeiten kurz vor einer Frist, wodurch es weder zu Leistungseinbußen noch zu subjektivem Leiden kommt.

Etwas Psychologie …

Psychologen sprechen erst dann von Prokrastination, wenn das Aufschieben seelische oder körperliche Beeinträchtigungen mit sich bringt. Es ist laut Definition eine Störung der Selbstregulation, so dass die Person nicht in der Lage ist, kurzfristig etwas Unangenehmes auszuhalten, um langfristig etwas Positives zu erreichen. Mit dem Aufschieben verhilft sie sich zu einer schnellen Belohnung und vermeidet Frustration. Ersatzhandlungen wie Blumengießen, Kaffeekochen oder der Anruf bei einem alten Schulfreund verhelfen zu dem Gefühl, die Zeit ja sinnvoll genutzt zu haben.

So, das war nur eine kleine Exkursion, damit Du weißt, dass Aufschieberitis und Prokrastination nicht das gleiche ist. Ich möchte mich aber heute dem Aufschieben von Aufgaben widmen, also dem, was wir allgemein als Aufschieberitis kennen.

Jeder kennt sie, diese ungeliebten Dinge. Anstatt einfach anzufangen, einfach mal aufschieben. Könnte ja unangenehm sein, Arbeit machen.

Ich finde, wir denken heute viel zu viel nach!

Meine Mutter ist da ganz praktisch veranlagt, sie denkt sich „muss ich sowieso machen, wenn ich nicht im Chaos enden will, also kann ich es auch gleich machen“. Recht hat sie. Nach dem Essen wird gleich gespült und die Wäsche nach dem trocknen gleich abgehängt und in den Schrank geräumt.

Warum machen wir das? Warum schieben wir Dinge auf?

Ein Viertel der Deutschen leidet demnach nach eigenen Angaben an der Aufschieberitis. Doch wieso eigentlich? Meistens stecken dahinter einer oder mehrere folgender Faktoren:

  • kein oder schlechtes Zeitmanagement
  • falsche Organisation
  • Konzentrationsprobleme
  • kein oder das falsche Setzen von Prioritäten
  • Angst vor dem Scheitern
  • Unterbewertung der eigenen Leistungsfähigkeit
  • Unlust auf die Aufgabe

Der letzte Punkt ist dabei wohl der häufigste. Jeder von uns hat schließlich diese Tätigkeiten, die einfach keinen Spaß machen. Wenn sie dann auch nicht so dringend sind, werden sie tagelang vor sich hergeschoben. Viele Menschen würden nun schmunzelnd den Hausputz oder die Steuererklärung nennen. Und so ein bisschen Faulheit darf doch auch mal sein, oder? Auf der Arbeit jedoch, kann eine chronische Prokrastination zum echten Problem werden. Daraus entsteht nämlich ein Teufelskreis aus unerledigter Arbeit, immer knapper werdenden Zeitfenstern und innerem Stress. Was kannt Du also dagegen tun, Aufgaben immer vor Dir herzuschieben?

Eine Standardausrede ist gerne, erstmal andere Dinge tun zu müssen,Geschirr abwaschen, Unterlagen sortieren oder den Schreibtisch aufzuräumen. Da werden selbst ungeliebt Aufgaben vorgeschoben, um die noch ungeliebteren Dinge aufzuschieben. Angesichts der vor Dir liegenden Aufgabe fühlst Du Dich überfordert und hast das Bedürfnis Ordnung zu schaffen, da Du nicht weißt, wie Du die große Augabe anpacken sollst. Zerlege große Aufgaben in viele kleine Schritte. „Auch die längste Reise beginnt mit einem einzelnen Schritt“, lautet ein chinesisches Sprichwort. Also beginne mit kleinen Schritten.

Aber was können wir denn jetzt tun? Was sind gute Strategien dagegen?
12 Tipps gegen Aufschieberitis

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und auch die Gewohnheit, alles aufzuschieben, kannst Du Dir abgewöhnen, indem Du Dir neue Verhaltensweisen antrainierst. 

1. Jetzt sofort anfangen – und nein, nicht erst in 5 Minuten

Fang einfach an! Wenn Du eine Aufgabe oder Idee hast, überwinde dich, lass keine Ausrede gelten, mach den ersten Schritt! Die 72-Stunden-Regel besagt, dass man Vorhaben innerhalb von 72 Stunden beginnen muss, sonst sinkt die Chance, jemals den ersten Schritt zu machen, auf ein Prozent. Nutze die Macht Deiner Gedanken! Sage Dir immer wieder, dass Du es schaffst anstatt zu denken, dass es ja sowieso nichts wird.

2. Aufräumen – Ordnung am Arbeitsplatz schaffen

Räume deinen Schreibtisch auf. Auch alte Kaffeetassen und Konzerttickets von letzter Woche stellen eine Ablenkung dar. Ein ordentlicher Arbeitsplatz hilft, effektiv zu arbeiten.

3. Setze Prioritäten und mach Dir einen Plan

Um die Ablenkung zu verhindern, lege Dir eine Prioritätenliste an und ordne alle anfallenden Tätigkeiten nach Wichtigkeit. Und dann arbeitest Du die Liste von wichtig nach unwichtig ab – konsequent und ohne Ausnahme. Setz Dich dabei bloß nicht unter Druck. Der Stress entsteht häufig nur aus dem Wissen, dass die wirklich wichtigen Aufgaben noch anstehen und die Zeitspanne dafür immer kürzer wird.

4. Unangenehmes zuerst erledigen – den Rest des Tages nicht mehr daran denken

Mach die unangenehmen Aufgaben zuerst! Du wirst sehen, danach läuft es besser. Du musst sie sowieso machen und willst Dir doch nicht den Tag versauen!

5. Feiere Teilerfolge – damit die Motivation erhalten bleibt

Teile dir große, scheinbar unmögliche Aufgaben in kleine Häppchen ein. Sonst fühlst Du Dich schon erdrückt, bevor Du überhaupt angefangen hast.

6. Vergiss Deine Perfektion!

Höre auf, perfekt sein zu wollen. Das führt bloß dazu, dass Du Dich verzettelst und auf der Stelle trittst. Mache 80 % zu Deinem neuen Perfekt. Ansonsten könnte es dazu führen, dass Du für die ersten 80 % 20 % der Zeit brauchst und für die restlichen 20 % 80 % Zeit benötigst.

7. Pausen machen – Konzentration zurückgewinnen

Plane Pausen ein. Selbst wenn du alles so schnell wie möglich erledigen möchtest, erst durch Pausen wirst du in der Lage sein, nachmittags so produktiv zu sein wie morgens nach dem Aufstehen. Vielleicht machst Du auch gerne Sport in der Mittagspause?

8. Belohne Dich selbst

Was motiviert Dich, eine Aufgabe in Angriff zu beginnen? Bei den meisten Menschen funktioniert da ein Belohnungssystem. Und da Du doch nicht darauf warten willst, bis jemand anders Dein tun bemerkt, belohn Dich einfach selbst: Kaffee, Eis, ein ausgiebiges Telefonat oder eine Folge Deiner Lieblingsserie. Denn Lob führt zu Motivation und stärkt das Vertrauen in die eigenen Kräfte. Und dadurch wird tatsächlich die Leistungsfähigkeit gesteigert.

9. Bleibe realistisch und ehrlich

Wenn Du Deine To-Do-Liste oder einen Tagesplan schreibst, bleibe ehrlich und realistisch. Denk dran, dass Du auch Pufferzeiten mit einbaust und Du wirst merken, dass der gefühlte Stress nachlässt.

10. Schluss mit Multitasking und Ablenkungsmanövern

Lass Dich nicht ablenken und hör auf damit, immer alles gleichzeitig zu machen! Neben dem Telefonat E-Mails checken oder essen beim Fernsehen. Multitasking ist eine Unsitte geworden und der größte Feind der Konzentration und damit auch des Zeitmanagements. Je konzentrierter Du nämlich arbeitest, desto schneller bist Du fertig und desto leichter fällt Dir die Aufgabe. Aber das lernst Du nur, wenn Du es regelmäßig übst.

11. Routine schaffen – auch ohne Zwang von außen

Schaffe dir daher selbst Routine im Alltag. Stehe zum Beispiel immer zur selben Zeit auf, oder iss immer zur selben Zeit. Durch derartige Anhaltspunkte im Alltag fällt es den meisten Menschen leichter produktiv zu sein.

12. Nutze deinen eigenen Rhythmus und arbeite, wenn du am produktivsten bist

Jeder Mensch hat seinen eigenen Rhythmus. Ob wir Langschäfer oder Frühaufsteher sind, bestimmen unsere Gene. Also versuche nicht, dagegen anzukämpfen. Du arbeitest am besten morgens nach einer kalten Dusche? Der beste Zeitpunkt für die schwierigste Aufgabe ist für dich abends nach einem Bier? Lerne dich und deine produktivsten Phasen kennen und lerne, wann du am produktivsten bist.

Ich bin total neugierig. Wie ist das bei Dir? Ist das Dein Thema? Erzähl mir davon, was Du gerne aufschiebst, und hinterlasse unten einen Kommentar!

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