Hallo liebe Ordnungsliebende,

ich war letzten Freitag beim Zahnarzt. Dabei saß ich eine Stunde vorher noch mit meinen Mädels gemütlich beim Frühstück, doch als ich die ersten Bissen tat, fühlte sich der hintere Zahn rechts unten komisch an, tat irgendwie weh. Hmmm, konnte eigentlich nicht sein, denn der Zahn lebte schon seit Jahren nicht mehr. Damals saß ich bei meinem Zahnarzt und heute wie ein Schlosshund, mein Backenzahn war so gut wie hin, Wurzel im Eimer und dazu die eine noch krumm wie eine Banane.

Mein persönliches Pulverfass

Dr. G. sagte, da wär es nicht so einfach mit einer Füllung, ich heulte einfach weiter und er ließ sich erweichen, es wenigstens zu versuchen, machte eine Wurzelbehandlung und verpasste mir eine Brücke, weil der Zahn für das andere Brückenglied auch nicht mehr so frisch war. Das war nun acht Jahre her.
Im Februar vor zwei Jahren war die Brücke locker, auch da schaute mich Dr. G. wieder zweifelnd an, kam aber meinem Wunsch nach, sie nach allen Regeln seiner Kunst wieder festzukleben. Seitdem wusste ich, in meinem Mund befindet sich ein Pulverfass und konnte trotzdem nicht loslassen.

Nun war es also soweit. Am Frühstückstisch saß eine Zahnärztin, die sogleich anbot, mit mir in die Apotheke gegenüber zu gehen und ein Antibiotikum zu besorgen, damit ich heil über das Wochenende komme. Noch besser fand sie aber ihre Idee, meinen Zahnarzt anzurufen und vor dem Wochenende noch dort vorbeizugehen. Ok ok, ist ja gut! Mein Frühstück war daraufhin beendet, aber der Appetit war mir ohnehin schon vergangen.

Dr. G. sah sogleich was los war, und wollte erstmal die Brücke runterholen. Gar nicht so einfach, die saß vorne fest und war hinten locker. Da konnte auch die Hilfe der herbeigerufenen Arzthelferin mit ihrem Hämmerchen nichts ausrichten. Also doch erstmal ein Röntgenbild … selbst ich konnte sehen, dass da nichts mehr zu retten ist, der Rest des Zahns war gebrochen.

Diesmal war also klar, Dr. G. würde gewinnen!

Also mal eben die Brücke nach vorne abgetrennt und raus mit den beiden Einzelteilen. Und was soll ich sagen, eine Stunde später war ich schon wieder draußen, saß 5 Minuten später auf meiner Couch und konnte kaum glauben, was an diesem Vormittag passiert war. Ratzfatz war alles erledigt und hat nicht mal weh getan. Und soll ich Dir mal was sagen? ICH BIN SO FROH! Ich bin so glücklich, dass das Ding endlich weg ist. Was hat dieser Zahn mich schon belästigt, weil ich einfach noch nicht loslassen wollte und konnte.
Loslassen!

Mit meinem Zahn ist es wie mit anderen Dingen, warum hängen wir so oft so sehr daran? Obwohl uns die Dinge gar nicht gut nicht gut tun? Ok, einen Zahn zu verlieren bringt höhere Kosten mit sich. Und obwohl ich jetzt ein Implantat brauche was bestimmt 2.000 Euro kostet, freue ich mich sehr, dass der Zahn weg ist.

Und wie ist das jetzt mit den Dingen? Die kosten in der Regel etwas, z. B. Ärger, weil Du immer mal wieder darüber nachdenkst, vielleicht schwirrt Dir dann der Gedanke im Kopf herum, dass es ein Fehlkauf war und Du das Teil nie getragen hast. Wenn es etwas ist, was offen herumsteht, musst Du ab und zu staub wischen, das kostet Zeit und vermutlich hast Du dazu nicht einmal Lust.

Aber nun mal eine ganz andere Frage, zumindest auf den ersten Blick!
Was für ein Leben wünschst Du Dir? Helfen Dir Deine vielen Sachen dabei, Deine Ziele zu erreichen? Dann ist ja alles gut! Aber vielleicht behindern Dich die vielen Dinge auch dabei, Deine Lebensvision wahr werden zu lassen. Warum hast Du sie dann noch, warum klammerst Du Dich daran? Ist das nicht Grund genug, das Durcheinander in Deinem Lebensraum endlich in Angriff zu nehmen?

Hast Du noch alles im Griff oder ist es eher umgekehrt, dass die Dinge Dich im Griff haben? Ich erlebe es bei meinen Kunden immer wieder, sie geben zu viel Geld aus, weil sie Dinge kaufen, die sie schon längst (manchmal mehrfach) besitzen, die sie nur nicht finden. Sie kaufen Dinge, die sie zu diesem Zeitpunkt gar nicht brauchen, aber es könnte ja sein, dass sie sie irgendwann einmal brauchen.

Der Ersatztoaster

Vor ein paar Wochen war ich zu einem Kennenlerngespräch bei einem Ehepaar, die Frau bat mich am Telefon, ich möge mir ihr Chaos bitte ansehen. So kam ich in eine Wohnung, wo die Möbel mit Tüten und Kartons zugestellt waren, in der Küche genauso wie im kleinen Wohnzimmer. Das Paar konnte nicht nebeneinander auf der Couch sitzen, auf dem 3-Sitzer wurden sie getrennt von einem hohen Stapel Zeitschriften und allem möglichen anderen Gedöns.

Das dritte Zimmer war nicht mehr begehbar. Ich stand auf der Türschwelle und ließ meinen Blick schweifen, die hintere Wand war von einem mindestens 6-türigen Schrank verstellt, obendrauf entdeckte ich mehrere Kartons, unter anderem von einem Toaster. Ich fragte sie, ob dort noch ein Gerät drin wäre und sie antwortete ja, falls der andere kaputt geht. Warum machen wir das? Warum sammeln wir Dinge, geben dafür Geld aus, um Dinge zu kaufen, die wir gar nicht brauchen?

Machen diese ganzen Dinge unser Leben wirklich schöner, freudiger, glücklicher und einfacher? Ist es nicht vielmehr so, dass sie Stress verursachen? Das Zuhause sollte doch der Ort sein, an dem Du allen negativen Kräften dieser Welt entfliehen kannst, es sollte das Zaubermittel gegen den Stress sein und nicht seine Ursache. Ist es richtig, dass wir uns manchmal nicht erlauben, Schönes zu erleben, weil wir ja erstmal aufräumen müssen? Denn das ist es, was ich auch von meinen Kunden oft zu hören kriegen, das typische „ich würde ja, aber ich muss ja erstmal …“

Sammelnde Partnerschaften

Gerade in Partnerschaften ist es oft so, dass um die Dinge gestritten wird. Da träumt er von einem Hobby als Handwerker, hat kistenweise Zeug, hebt jedes noch so kleine Teil auf, weil er es ja nochmal brauchen könnte. Seine Frau leidet darunter, weil überall etwas herumliegt, ohne dass er in den letzten Jahren jemals etwas damit gemacht hätte. Ist es das wirklich wert? Ist es das wert, dass die Dinge unsere Beziehungen beherrschen, für Konflikte sorgen?

Wo kommt all das Zeug her? Vieles wandert durch Spontankäufe in unseren Lebensraum. Aber was davon hat bleibenden Wert? Unser Geld ist weg und was haben wir davon? Schöne Erinnerungen oder einen großen Nutzen. Denn genau diese Dinge, verursachen oft das Chaosproblem, es sind Dinge, die weder Nutzen bringen, noch unsere Lebensqualität erhöhen. Lass Dir das mal auf der Zunge zergehen, die hast dadurch hohe Lebenshaltungskosten, ohne Deine Lebensqualität zu erhöhen. Ist es das wert?

Lagerboxen

Im Oktober 2017 gab es deutschlandweit 220 Standorte mit Lagerboxen, 25 davon allein in Berlin, mit je 500 bis 700 Boxen a sechs Quadratmeter im Schnitt. In den kommenden Jahren sollen noch mindestens 300 Einrichtungen dazu kommen. Was veranlasst uns Dinge aufzubewahren, die wir nicht brauchen irgendwo einzulagern und jahrelang Geld dafür zu bezahlen, dass sie jemand für uns aufbewahrt? Ein Quadratmeter Lagerbox kostet durchschnittlich 250 EUR! Was sind alte Dinge, mit denen wir nicht unter einem Dach wohnen möchten gegen schöne Erinnerungen, z.B. wenn wir von dem Geld Urlaub machen, oder schöne Erlebnisse bezahlen?

Ich war letztes Jahr bei einer Kundin, die schon jahrelang eine Lagerbox gemietet hatte, für die sie 600 Euro im Jahr zahlte. Eine Woche Urlaub. Von außen betrachtet, für was würdest Du Dich so ganz spontan entscheiden? Dort bewahrte sie nach einem Umzug Sachen auf, die nicht in ihre Wohnung passten. Denn dort hütete sie haufenweise Papierkram, Kleidung und Schuhe, die sie schon lange nicht mehr trug, Möbel die ihr nicht mehr gefielen und die sie eigentlich verkaufen wollte und Lebensmittel mit denen sie sich mindestens ein Jahr lang versorgen könnte.

Die Vergangenheit hält uns fest

Gerümpel, alte Sachen und Erbstücke heben wir auf, damit wir die Vergangenheit nicht vergessen. Aber hindert uns das nicht daran, in der Gegenwart zu leben? Können wir noch den Augenblick genießen und im Hier und Jetzt leben?

Wenn ich mit Kunden einige Zeit gearbeitet habe und sie sich von vielem aus längst vergessenen Zeiten gelöst haben, höre ich manchmal, dass sich das ganze Zeug angefühlt habe wie Gummibänder, die unsichtbar an einem kleben, um die Vergangenheit festzuhalten.

Ich sage immer, Dinge wollen wertgeschätzt werden. Wenn wir Dinge behalten ihnen damit ja einen gewissen Wert zuweisen, dann dürfen diese Dinge auch entsprechend aufbewahrt werden und einen Platz im Regal bekommen, dann dürfen diese Dinge auch mit uns leben. Aber was sind sie wert, wenn sie verstaubt in einer Kiste im Keller liegen? Und ich rede jetzt nicht von der einen durchsichtigen Kiste, in der ein paar emotional behaftete Dinge liegen, wie z. B. das Brautkleid, das eine Paar Babyschuhe oder das Heft mit der ersten Klassenarbeit der Grundschule. Es geht immer um die Menge an Dingen, die so groß ist, dass völlig der Überblick fehlt.

Doch wie geht das jetzt mit dem Loslassen?

Werde Dir wirklich, wirklich klar darüber, wie Du leben möchtest. Wie fühlst Du Dich in Deinem Zuhause? Ist es so, wie Du es Dir vorstellst? Wie soll es sein, wie wünschst Du es Dir? Wünschst Du Dir wirklich eine größere Wohnung oder ein größeres Haus? Oder gefällt es Dir dort, wo Du bist?
Dann musst Du eine Entscheidung treffen und das kannst Du nur, wenn Du Dir etwas klar machst.

Es mag vielleicht etwas esoterisch klingen, aber verbinde Dich mit den Dingen. Sage nicht pauschal, dass Du etwas nicht wegwerfen kannst, sondern plane, wann Du welches Ding benutzen willst. Wann wirst Du all die Stoffe vernähen, die Garne verstricken? Wann wirst Du all die Leinwände bemalen oder die Bücher zum zweiten Mal lesen? Wann wirst Du die DVD’s ansehen oder Deinen Papierkram digitalisieren? Wann wirst Du das ganze gesammelte Werkzeug wirklich brauchen und vor allem für was? Wann wirst Du Deine Kleider alle tragen, wieviel Kilo musst Du abnehmen, um in all Deine Hosen wieder hineinzupassen und wie lange wird es dauern? Was für Maßnahmen wirst Du ergreifen, um Dein Ziel zu erreichen? Wann wirst Du endlich wieder laufen gehen und Deine Sportsachen die Du extra dafür gekauft hast, anziehen? Ich könnte jetzt endlich so weitermachen, aber das erspare ich Dir jetzt!

Ich will damit nur sagen: mache Pläne, schreibe Dir Termine in den Kalender. Mach es für Dich, für Dein Leben, damit es so wird, wie Du es Dir wünschst. Ach, Du willst gar nicht mehr anfangen zu joggen? Dass Du das wolltest (ersetzbar durch stricken, malen, eine Sprache lernen, kochen, heimwerken, etc.) ist möglicherweise schon Jahre her. Wie lange genau? Vielleicht passt es jetzt gar nicht mehr in Dein Leben? Dann triff jetzt eine Entscheidung!

Oder möchtest Du, dass das Zeug was Du besitzt, irgendwann Dich in Besitz nimmt und Dir über den Kopf wächst?

Herzliche Grüße,
Ursula Kittner
Die Ordnungs-Expertin

Kennst Du schon meine Klarschiff-Aktionstage? Einen Tag gemeinsam ausmisten und Platz schaffen? In der Gruppe mit Gleichgesinnten? Schau mal hier!

Ursula Kittner

Achtung, hier kommt Deine Ordnungspost!

 

Hol Dir hier meine besten Ordnungstipps, lass Dich von den Erfolgsgeschichten Anderer inspirieren und motivieren und erfahre was es Neues gibt.

 

Du kannst Dich jederzeit ganz unkompliziert wieder abmelden.

Du hast dich erfolgreich angemeldet!